Selbstbestimmt Abschied nehmen
Oliver Christens „As She Chose“ über Leben, Sterben und Trauer.

Oliver Christens Buch As She Chose erzählt die bewegende Geschichte seiner Mutter, die sich bewusst für einen selbstbestimmten Abschied entschied. Das autobiografische Werk verbindet persönliche Erinnerungen mit Fragen nach Würde, Autonomie und den Folgen einer solchen Entscheidung für die Hinterbliebenen. Quelle: mit-trauerleben.de / Oliver Christen
Wie möchten wir sterben? Diese Frage schieben die meisten Menschen so lange wie möglich von sich weg. Doch spätestens wenn ein geliebter Mensch schwer erkrankt oder das Lebensende näher rückt, wird sie unausweichlich. Der schweizer/australische Autor Oliver Christen widmet sich diesem schwierigen Thema in seinem Buch As She Chose. Es ist weit mehr als eine persönliche Erinnerung an seine Mutter – es ist ein bewegender Bericht über Selbstbestimmung, Abschied und die Folgen einer bewussten Entscheidung für die Hinterbliebenen. Für Menschen, die sich mit Trauer, Sterbebegleitung oder der eigenen Bestattungsvorsorge beschäftigen, bietet das Buch zahlreiche Denkanstöße.
Worum geht es in „As She Chose“?
Oliver Christen schildert die letzten Wochen im Leben seiner Mutter. Sie trifft eine außergewöhnliche Entscheidung: Sie möchte den Zeitpunkt ihres Abschieds selbst bestimmen und entscheidet sich für den freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (Voluntary Stopping of Eating and Drinking – VSED).Das Buch beschreibt nicht nur den medizinischen Ablauf, sondern vor allem die emotionale Seite dieses Prozesses. Wie verändert sich die Beziehung zwischen Mutter und Sohn? Welche Gespräche werden geführt? Welche Zweifel bleiben? Und wie lebt man nach dem Tod eines Menschen weiter, dessen Entscheidung man respektiert – auch wenn sie schmerzt?Gerade diese persönliche Perspektive macht das Buch so eindringlich.
Zwischen Autonomie und Trauer
In Deutschland wird intensiv über selbstbestimmtes Sterben diskutiert. Nach mehreren Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts hat das Thema neue Aktualität gewonnen. Dennoch fällt vielen Menschen schon das Gespräch über das Lebensende schwer.As She Chose versucht nicht, politische Antworten zu geben. Stattdessen erzählt Oliver Christen von einem konkreten Schicksal. Gerade dadurch wird deutlich, dass hinter jeder gesellschaftlichen Debatte Menschen stehen – mit Hoffnungen, Ängsten und einer tiefen Liebe zueinander.
Kann eine bewusste Entscheidung den Trauerprozess verändern?
Eine der spannendsten Fragen lautet:Trauern Angehörige anders, wenn sie den Wunsch des Verstorbenen kennen und begleiten konnten?Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Das Buch zeigt jedoch eindrucksvoll, dass gemeinsame Gespräche über das Lebensende sowohl entlastend als auch belastend sein können.Einerseits entsteht die Möglichkeit, sich bewusst zu verabschieden, unerledigte Dinge auszusprechen und letzte gemeinsame Erinnerungen zu schaffen.Andererseits bleibt der Verlust nicht weniger schmerzhaft.Gerade diese Ambivalenz schildert Christen sehr eindrucksvoll.
Ein Buch über Kommunikation
Viele Familien sprechen nie über den Tod.Oft aus Angst.Oft aus Unsicherheit.Oft, weil niemand den ersten Schritt machen möchte.As She Chose macht deutlich, wie wichtig offene Gespräche sein können. Nicht jede Familie wird dieselben Entscheidungen treffen. Aber fast jede Familie profitiert davon, wenn Wünsche rechtzeitig ausgesprochen werden.
Was bedeutet das für die Bestattungsvorsorge?
Auch wenn das Buch keine klassische Vorsorgeberatung ist, führt es zwangsläufig zu einer wichtigen Erkenntnis:Wer seine Wünsche frühzeitig mitteilt, entlastet häufig seine Angehörigen.Dazu gehören unter anderem:
- BestattungswünschePatientenverfügungVorsorgevollmachtpersönliche Abschiedswortefinanzielle Vorsorge
Solche Gespräche sind selten einfach. Sie können Hinterbliebenen jedoch viele schwierige Entscheidungen abnehmen.
Für wen ist dieses Buch geeignet?
As She Chose richtet sich nicht nur an Menschen, die sich mit Sterbehilfe oder medizinischen Fragen beschäftigen.Es eignet sich besonders für Leserinnen und Leser,
- die einen Angehörigen verloren haben,die einen schwer kranken Menschen begleiten,die sich mit Selbstbestimmung am Lebensende auseinandersetzen möchten,oder die sich grundsätzlich mit den Themen Sterben, Trauer und Abschied beschäftigen.
Persönliche Einschätzung
Mich hat an diesem Buch vor allem beeindruckt, dass es keine einfachen Antworten liefert.Oliver Christen erzählt eine persönliche Geschichte, die den Leser dazu einlädt, sich mit den eigenen Vorstellungen vom Sterben auseinanderzusetzen. Dabei verzichtet er weitgehend auf moralische Urteile. Stattdessen entsteht Raum für Nachdenken – über Würde, Verantwortung und die Liebe zwischen Eltern und Kindern.Gerade deshalb ist As She Chose kein Buch, das man „verschlingt“. Es ist ein Buch, das man immer wieder aus der Hand legt, um über das Gelesene nachzudenken.
Fazit
Sterben und Trauer gehören untrennbar zusammen. Wer sich frühzeitig mit den eigenen Wünschen auseinandersetzt, kann seinen Angehörigen vieles erleichtern – unabhängig davon, welche persönlichen Entscheidungen am Lebensende getroffen werden.As She Chose leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Das Buch fordert seine Leser nicht auf, eine bestimmte Haltung einzunehmen. Es lädt vielmehr dazu ein, über Fragen nachzudenken, die uns alle früher oder später betreffen.Gerade darin liegt seine besondere Stärke.
Hinweis: Die rechtliche Situation zum assistierten Suizid und zu Fragen der Sterbebegleitung unterscheidet sich von Land zu Land. Dieses Buch schildert eine persönliche Lebensgeschichte und ersetzt keine medizinische, rechtliche oder ethische Beratun
